Holzkohle-Tischgrills als Giftfalle

Nach einer Untersuchung von elf deutschsprachigen Giftinformationszentren wurde deren Hilfe vom Jahr 2000 bis zum Vorjahr wegen 60 Kohlenmonoxid-Unfällen mit 146 Betroffenen in Anspruch genommen. Zehn Menschen starben an dem eingeatmeten Gift. Weitere 17 schwebten zeitweilig in Lebensgefahr. Während im Jahr 2000 nur ein Unfall mit zwei Verletzten registriert wurde, waren es 2009 bereits 18 derartige Vorfälle mit 34 Betroffenen.

Hochgefährlich: bei Regen den Grill mitnehmen
Die meisten Unfälle sind Folge unvorsichtigen Grillens mit Holzkohle. „In einigen Fällen wurde das Grillvergnügen wegen schlechten Wetters auf den verglasten Balkon oder in die Garage verlegt", berichtet der Leiter des Gemeinsamen Giftinformationszentrums der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Helmut Hentschel. „Andere wollten den noch glühenden Grill als zusätzliche Wärmequelle im Zimmer oder in der Gartenlaube nutzen." Doch damit setzen die Grillfreunde ihr Leben aufs Spiel, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung.
Früher sei das Risiko einer Vergiftung bei offenem Feuer gut bekannt gewesen, sagt Instituts-Präsident Andreas Hensel. Heute ist die Gesundheitsgefährdung durch das Einatmen der Brand- und Rauchgase offensichtlich in Vergessenheit geraten.

Kohlenmonoxid in geschlossenen Räumen
Geruchsloses Kohlenmonoxid entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von kohlenstoffhaltigem Material. Bei mangelhafter Luftzufuhr in geschlossenen Räumen ist der Anteil der nicht ganz verbrannten Kohle besonders hoch.
Das Kohlenmonoxid kann nach Experimenten des Instituts der Feuerwehr Sachsen-Anhalt bereits nach 30 Minuten tödlich wirken. Die Wissenschaftler hatten in einem etwa 35 Kubikmeter großen Container einen glühenden Grill gestellt und die Kohlenmonoxid-Konzentration gemessen. Fazit: Glimmende Grillbriketts verwandelten den Raum innerhalb weniger Minuten in eine Todesfalle.

Gewarnt wird ausdrücklich vor den neuerdings angebotenen kohlebeheizten Tischgrills. Fernsehwerbespots demonstrierten Holzkohle-Grillaktionen im Wohnzimmer, kritisiert das Bundesinstitut für Risikobewertung. Familien hätten diese Werbeaktion missverstanden. Mindestens drei Kinder und deren Eltern mussten wegen einer Kohlenmonoxid-Vergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Diese Geräte seien „grenzwertig kriminell", schimpft der Erfurter Giftexperte Hentschel.

 

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